Eine der kurzlebigsten aber kunsthandwerklich bedeutendsten historischen Porzellanmanufakturen in Deutschland war die Frankenthaler Porzellanmanufaktur. 1755 wurde sie von der Familie Hannong aus Straßburg im pfälzischen Frankenthal gegründet, um dem Verbot durch Ludwig XV. zu entgehen. Die Manufaktur bestand bis 1800. Zwei Jahre nach der Gründung engagierte man Arbeiter aus der berühmten Meißener Porzellanmanufaktur in die Produktion. Nach dem Tod der Gebrüder Hannong ging die Manufaktur gänzlich in den Besitz des pfälzischen Kurfürsten Carl Theodor über, der die Gelegenheit ergriff, eine eigene, hoch angesehene Manufaktur aufzubauen und zu betreiben. Er hatte die Manufaktur auch in den Vorjahren bereits unterstützt und Paul Hannong das Privilgium erteilt. 37 Jahre lief die Manufaktur unter seiner Direktion, eine Verkaufsfiliale wurde in Straßburg, der Heimatstadt Paul Hannongs, eingerichtet.
Als der kurfürstliche Hof von Frankenthal nach München weiter zog, wurde die Manufaktur, für die inzwischen einige bedeutende Porzellanmaler und -modellierer gearbeitet hatten, aufgegeben. Unter ihnen befand sich auch der Hofbildhauer Konrad Linck. Durch diese Künstler war das Frankenthaler Prozellan vor allem für seine figürlichen Produkte berühmt geworden. Einige Modelle waren von den Arbeiten der Meißener Künstler übernommen worden, das Sortiment war breit gefächert und äußerst fantasievoll. Viele Figuren verwiesen auf die Antike, auf Kunstwerke der Renaissance oder zeitgenössische Bauwerke. Inzwischen war Porzellan aber auch zu einem Material für Alltagsgegenstände geworden. Deshalb stellte man nun auch Knöpfe, Fingerhüte, Nadel- und Tabaksdosen sowie Löffel her. Besonders nützlich war die Verwendung des Porzellans für Apothekergefäße. Porzellan war relativ stabil und ließ sich gut reinigen. Doch dieser Zweig konnte in Frankenthal nicht für das Überleben der Manufaktur sorgen. Der Geschmack der Zeit hatte sich geändert, die klassizistischen Modelle der Frankenthaler Manufaktur waren nicht mehr gefragt. Einige Modelle wurden jedoch bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts in der Nymphenburger Manufaktur nachproduziert. Das Frankenthaler Zeichen wurde durch das Nymphenburger Zeichen ersetzt.
Heute werden einzelne Stücke und Service sowie verschiedene Figuren in Museen ausgestellt. In Heidelberg beispielsweise kann man eins der kostbarsten fünfteiligen Solitairs betrachten, das Frühstücksgeschirr der Kurfürstin. Es war eins der besonderen Kleinode des kurfürstlichen Besitzes an Frankenthaler Porzellan und gehörte Elisabeth Augusta, der Frau von Kurfürst Karl Theodor. Dieses Frühstücksgeschirr von 1777 ist mit allegorischen Darstellungen geschmückt. Allegorien, beispielsweise der vier Jahreszeiten, der Erdteile oder der Gefühle, waren neben Szenen aus der Antike und aus dem höfischen Leben typisch für die Motive des Frankenthaler Porzellans. Das kurfürstliche Frühstücksgeschirr wurde erst 2008 vom Kurpfälzischen Museum in Heidelberg erworben. Bis dahin war das von der Fürstin persönlich benutzte Frühstücksgeschirr in Privatbesitz.
Quelle: einfach-online.de